Vom Flachs zum Leinen
Vom Flachs zum Leinen
Ein Projekt des Fördervereins der Landesgartenschau Bad Nenndorf. Begleitet von Monka Ahrend und Henning Dormann

Am 100. Tag, also am 10. April, haben wir tatsächlich die Aussaat von drei Reihen Flachs, Sorte Christine, gewagt. Eigentlich war es einfach zu trocken, kein Regen in Sicht und viel Unsicherheit dabei, ob die Saat aufgeht. Wir deckten mit einem Vlies ab, denn auch die Vögel besuchen den Bürgergarten regelmäßig, um in den Beeten rumzuhacken. Natürlich haben wir gewässert und nach ca. fünf Tagen sahen wir schon die ersten zarten Pflanzen.
Da wir in unserem Garten auch viel ausprobieren können und ein wenig experimentieren wollen, haben wir genau sieben Tage später nach einem Regenguss weiteren Flachs gesät und der Plan ist, Anfang Mai eine dritte Aussaat zu starten. Wer weiß, wie sich unter den jetzigen klimatischen Bedingungen das Wachstum unserer Pflanzen zeigt? Die etwas strikten Regeln unserer Vorfahren werden wir wohl nicht eins zu eins übernehmen können.
Gleichzeitig haben wir ein größeres Beet schon für kommendes Jahr vorbereitet: da Flachs nur alle sieben Jahre erneut auf dem gleichen Acker ausgesät werden soll, haben wir ein Feld mit Kartoffeln als Vorfrucht bepflanzt, da diese den Boden auflockern und quasi „säubern“. Nächstes Jahr sind wir also gut vorbereitet, um auszusäen.

Im Mai hatten wir auch unser Kooperationstreffen von 1qmlein im Flachsmuseum von Wegberg-Beek (bei Mönchengladbach). Seit 40 Jahren wird dort Interessierten gezeigt, wie aus dem Stängel die feine Faser gewonnen wird. Die 3. Klassen der dortigen Schulen machen dort ihr „Flachsdiplom“ und sind hinterher darin ausgebildet, im Museum ihren Eltern und Geschwistern den gesamten Vorgang zu zeigen. Sie dürfen an alle Geräte und Materialien im Museum, die für ihren ganz eigenen Vortrag nötig sind. Tolle Idee für solch ein lebendiges Museum!
Wir hatten u.a. die Gelegenheit, uns einen Vortrag der Österreicherin Christine Seufferlein vom Verein „Bertas Flachs“ anzuhören, und waren beeindruckt von ihrer Geschichte, wie der Flachs zu ihr gekommen ist.
Für uns war es schon erstaunlich, wie viele Menschen oder Institutionen sich mit dem Thema „Flachs“ befassen, welches Wissen in den unterschiedlichsten Regionen weltweit vorhanden ist und was SpinnerInnen, WeberInnen, StickerInnen, KünstlerInnen …. aus dieser Leinpflanze machen. Im weiteren Verlauf unseres Anbaus machten wir uns Sorgen über die große Trockenheit in diesem Monat. Wir haben es zunächst nicht gewagt, noch eine dritte Aussaat zu machen, aber es zeichnete sich endlich ab, dass es doch noch Regen geben würde!
Also wurde am Dienstag, 21. Mai, noch einmal der Rest des vorbereiteten Beetes mit den kleinen Flachssamen breitwürfig bestreut und vorsichtshalber mit Vlies bedeckt. Und Donnerstag gab es Regen!!! Nächste Woche dürften dann die ersten Pflänzchen zu sehen sein.
… Fortsetzung folgt!
